Erstellt von Karl Schmitz Carl Künkele zur SchapfenMühle GmbH & Co. KG Franzenhauserweg 21, 89081 Ulm-Jungingen
Das falsche Wetter zur falschen Zeit
Im Frühjahr 2010 war in Deutschland
noch ein hoher Überhang an Weizen da. Zusätzlich wurde für Deutschland im
Frühjahr eine sehr gute Ernteprognose gestellt. Die Preise lagen für
Weizenkerne bei ca. 130 € / 100 kg. Ein großer Weizenüberhang aus der Ernte
2009/10 wurde bis Mitte Juli wegen der regen Exportnachfrage aufgrund des
niedrigen Eurokurses über die Häfen ausverkauft. Die Ernte verzögerte sich um
ca. 14 Tage. Neue Ernte wurde im Juli gesucht. Somit gingen durch die erhöhte
Nachfrage die Preise erstmals hoch auf ca. 160 € / To.
Die
Wachstumsbedingungen für Getreide waren teils gehemmt durch den langen Winter
und das kaltnasse Frühjahr.
Im Juni und Juli
reifte durch extreme Trockenheit bei hohen Temperaturen das Getreide zu schnell
ab.Die Körner konnten sich nicht voll
ausbilden. Die Folge war Kleinkörnigkeit bis hin zu Schmachtkorn. Die Hektolitergewichte erfüllen nur teilweise die
Mühlenanforderungen. Der Mehlkörper ist teils zu gering. Die diesjährige
Getreideernte in Deutschland fällt regional12 - 16 Prozent kleiner aus als im Vorjahr. Im Durchschnitt liegen
die Erträge etwa 7 Prozent unter dem Schnitt der vergangenen sechs Jahre.
Danach kam die Ernte
durch die ergiebigen Niederschläge im August wochenlang zum Erliegen, was zu
Auswuchs führte, also zum vorzeitigen Keimen des Getreides. Neben
Ertragseinbußen ist die Ernte 2010 auch noch von Qualitätsverlusten geprägt.
Gleichzeitig
wurden die Ernteprognosen in den großen Erzeugerländern Europa, Russland,
Ukraine und Kasachstan deutlichzurückgenommen. Hitze und Trockenheit, aber auch Regenfälle führten dazu. Russland verhängte sogar
einen Ausfuhrstopp.
In
Deutschland wurde das Wintergetreide unter mehr oder weniger guten Bedingungen
verspätet gedroschen. Auf das reife Getreide folgte erst wochenlanger Regen,
danach zeitweise nur einige trockene Stunden. Oftmals hat die Zeit nicht
ausgereicht um die Böden oder das Getreide abtrocknen zu lassen. Es ist grob
davon auszugehen dass ca. 1/3 der Ernte für Backzwecke nicht geeignet ist und
nur noch Futterqualität hat. Die noch guten Partien mussten größtenteils mit
hohen Kosten separiert und getrocknet werden.
Die Ernte in Deutschland verzögerte
sich durch die anhaltendende Schlechtwetterlage bis Ende August. Die Mühlen
hatten eine geringe Deckung und mussten in der sehr teuren Phase kaufen, damit
sie bei ihren Kunden die Versorgung sicherstellen konnten. Es wurden Preise bis
250 € /To. genannt. Dieser sich abzeichnende Nachfrageboom rief zusätzlich die
Spekulanten auf den Plan. Die Notierungen an den wichtigsten Börsen Chicago und
Matif trieben den Preis auf weit über 220 € /To.. Befürchtungen über sinkende
globale Weizenbestände und die qualitativ schlechte Weizenernte in Deutschland
haben die Weizennotierungen an der Börse erneut ansteigen lassen.
Die Summe aus geringen
Hektolitergewichten, geringeren Tonnagen an Qualitätsgetreide, zusätzliche
Nachfrage aus der gesamten Welt auf dem Europäischen Markt, die Notwendigkeit
der Versorgung deutscher Mühlen im Ausland, Mehrbedarf zur Energiegewinnung und
Spekulanten lassen für das Getreidewirtschaftjahr 2010/11 darauf schließen,
dass alle Getreidearten auf sehr hohem Preisniveau bleiben werden.